Homeoffice - und: wenn die Arbeit massiv in den Vordergrund tritt

Im Homeoffice verschmelzen Privatleben und Job meist nahtlos. Wir schlafen länger, weil wir nicht ins Büro fahren müssen, dann klingelt der Postbote, in der selbst gesetzten Mittagspause werden kurz noch die Einkäufe erledigt, die Kinder sind zum Homeschooling daheim und wissen nicht wie der Drucker funktioniert…, bei der Videokonferenz mit dem Kunden am Nachmittag springen die Kinder durchs Bild, und und und ….

Die Stunden vergehen wie im Flug und trotzdem haben wir manchmal das Gefühl heute gar nichts Richtiges geleistet zu haben. Zumindest nicht im Vergleich zum Arbeitstag im Büro. Wir erwischen uns dabei, wie wir dann zu später Stunde doch noch eine E-Mail von der Couch aus auf dem Handy schreiben oder einen Bericht lesen, den der Chef gerade noch weitergeleitet hat. 

Und das Positive an dem Ganzen: wir arbeiten viel fokussierter an einzelnen Themen. Wir sind effizienter und zielgerichteter.

Und trotzdem kommt ein schlechtes Gewissen auf – was ist da los?

Feierabend: Wir sind mit dem Kopf noch nicht wirklich zuhause angekommen, obwohl wir doch schon den ganzen Tag zuhause sind! Unsere Kinder und Partner verlangen unsere Aufmerksamkeit, die Firma sitzt immer mit am Esstisch. Und dann stellen wir fest, dass wir für uns wieder gar nichts gemacht haben oder ‘verkaufen’ uns dann dass das Gassigehen mit dem Hund doch auch für uns selbst gut war.

Das schlechte Gewissen zehrt an uns und wir kommen einfach nicht zur Ruhe. Irgendwie meinen wir doch noch beweisen zu müssen, dass wir heute auch wirklich gearbeitet haben, weil wir ja während der eigentlichen Arbeitszeit noch so viel Privates nebenher gemacht haben. Dann antworten wir gerade schnell mal auf eine Nachricht oder telefonieren nochmal kurz, damit ja kein falscher Eindruck bei den Kollegen oder dem Chef entsteht. 

Es fällt uns schwer eine klare Linie zu ziehen und das berufliche von dem privaten und partnerschaftlichen Leben zu trennen. Der Fokus ist bei der Arbeit und das Persönlich-Privat-Partnerschaftliche kommt doch wieder zu kurz. 

Diese mangelnde Konzentration auf uns selbst führt nicht selten zu einer subtilen Gereiztheit und die geht dann meist auf die ganze Familie über. Zoff ist vorprogrammiert. 

Was steckt dahinter – warum tritt die Arbeit so in den Vordergrund?

Wir lassen uns von Gedanken und alten Emotionen leiten, die uns dazu anhalten doch noch einen weiteren Handgriff zu tun:

  • “Heute war so viel privat los, ich habe das Gefühl ich habe nicht genug gemacht.”
  • “Ich habe den ganzen Tag an einer Präsentation gearbeitet und nur zwei E-Mails geschrieben, ich frage jetzt doch noch schnell den Kollegen, ob ich was verpasst habe.”
  • “Den Bericht kann ich jetzt schnell noch durchlesen, ich war ja eh den ganzen Tag zuhause, dann ist das ja in Ordnung. Und ich spare ja auch die ganze Fahrzeit.”
  • “Ich möchte nicht, dass der Chef denkt, im Homeoffice trinke ich nur Kaffee und arbeite nix.”

Warum ist das so? Woher kommen diese Gedanken?

Wenn wir ehrlich sind und genau hinschauen ist das Homeoffice gar nicht das Problem – hier tritt das Ganze nur zutage. 

Unsere eigene Unsicherheit, das mangelnde Selbst-Bewusstsein, unser nicht stabiles mir-Selbst-genügen / mir-Selbst-vertrauen ist oft dafür verantwortlich dass wir uns nicht genug gesehen fühlen und deshalb alles mögliche (mehr) tun müssen um gesehen und wahrgenommen zu werden. Und vor lauter Angst nicht gesehen zu werden, arbeiten wir ein vielfaches von dem was der Gegenleistung, z.B. meines Honorars oder meines Gehaltes entspricht. Hauptsache niemand kann sagen, dass ich zu wenig arbeite.

Und jetzt?

Ja, wir hören es nicht gerne – aber die Lösung finden wir nur bei uns selbst. Wenn wir uns vorstellen, dass es die alten Behinderungen in unserem Denken nicht gäbe, bzw. ich mir selbst genügen würde, wie würde ich dann handeln? Was wäre wenn wir uns einfach selbst folgen würden – nach dem Motto: Erfolg ist das – was folgt, wenn wir uns selbst folgen.

Sie können dieses alte Denken stoppen in dem Sie sich von alten Denkmustern, bremsenden Verhaltensweisen, Ängsten, Selbstbeschuldigungen und Selbstvorwürfen trennen. Bestimmen Sie selbst welche Werte in Ihrem Leben Gültigkeit haben. Schauen Sie genau hin, möglicherweise passt so manches “Übernommene” nicht mehr zu Ihnen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Erfüllung mit sich selbst, mit Ihrer Partnerin / Ihrem Partner, Ihrer Familie und Ihrem Beruf.

01.05.2020